Warum dein Vision Board nicht funktioniert

Oder: Warum weniger machen mehr ist

In über 19 Jahren Persönlichkeitsentwicklung und der Begleitung von Hunderten von Klientinnen und Klienten haben sich für mich fünf fundamentale Wahrheiten destilliert. 

Das Spannende daran ist, diese fünf Wahrheiten haben nichts mit ‚mehr tun‚ zu tun, und widersprechen vielleicht deiner Annahme von Veränderung.

Dieser Artikel soll eine Einladung sein, deine eigenen Denkweisen zu hinterfragen und bestenfalls dich etwas aufzuwühlen.

Gerne erkläre ich dir, wieso ich davon überzeugt bin, dass dein Vision Board dich aufhält, an deine Ziele zu kommen. So ein Vision Board zu erstellen ist erstmal unheimlich cool und macht ja auch Spaß. Ich male mir mein Traumleben aus und spüre, wie schön es wäre, wenn all das, was ich mir vorstelle, in Erfüllung geht. Was ist, wenn aber genau das, das Problem ist? 

Machen wir uns nichts vor, es klingt komplett konträr zu dem, was wir kennen.

Seit der Einschulung ist die Prämisse klar: Wenn du dich anstrengst, dann kommst du auf die weiterführende Schule, wenn du dich anstrengst, dann kannst du studieren, wenn du dich anstrengst, dann wirst du befördert, etc. pp. Wenn du was erreichen willst, musst du selbstverständlich einen eisernen Willen haben und bereit sein, mehr zu machen als alle anderen.

Und ein Vision Board unterstützt dich, deinen Fokus zu behalten und ja nicht schwach zu werden. Wenn du was willst, musst du es dir erarbeiten und wenn du es nicht erreichst, dann hast du halt ein falsches Mindset. Easy. 

  • Was ist, wenn deine vorgestellten Ziele aber gar nicht deine Ziele sind und du mit eisernem Willen gegen etwas kämpfst, was gar nicht zu dir gehört?
  • Was ist, wenn dein Unterbewusstsein und alles in dir versucht, dich vor etwas zu bewahren, was dich nicht erfüllt?

Da hilft in der Regel dann vielleicht ein Schicksalsschlag oder ein Burn-out, um aus der Vision-Board-Psychose aufzuwachen. 

Vielleicht ist dir das auch schon passiert, oder du merkst gerade auf dem Weg zu deinen vorgestellten Zielen, dass sich das erhoffte Gefühl nicht einstellt, obwohl im Außen alles so ist, wie du es dir vorgestellt hast. 

Die folgenden fünf Wahrheiten müssen nicht deine sein, aber du darfst sie gerne für dich beanspruchen und gerne mal ausprobieren, was es mit dir macht, wenn du dich darauf einlässt.

WAHRHEIT 1: Stille statt Strategie

Vision Board Human Rockstars Stille statt Strategie

Vision Boards, Affirmationen, 5-Minuten-Journaling, alles wunderbare Techniken des Verstands. Nicht, dass sie schlecht wären, aber sie halten dich beschäftigt, statt dich ankommen zu lassen. 

Warum Techniken uns in die Irre führen

Wir lieben Techniken, weil sie uns Kontrolle versprechen. Wenn ich nur jeden Tag mein Vision Board anschaue, dann wird es schon klappen. Wenn ich nur die richtigen Affirmationen spreche, dann ändert sich mein Leben. 

Aber Kontrolle ist das Gegenteil von Empfangen.

Das Chaos vor der Klarheit

Wenn du zum ersten Mal in die Stille gehst, begegnet dir erstmal… Chaos. Dein Verstand ist wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen. Tausend Gedanken kommen hoch, die du vielleicht jahrelang unterdrückt hast. Das ist normal. Das ist der Prozess.

Viele meiner Klientinnen und Klienten berichten mir in den ersten Sitzungen, dass sie es kaum aushalten, nur fünf Minuten still zu sitzen. „Da kommt so viel hoch“, sagen sie. Genau. Und genau das muss gesehen werden.

Aus der Stille organisiert sich das Leben von selbst

Nicht, weil die Stille magisch ist. Sondern weil dein System endlich Raum hat, das zu tun, was es ohnehin tun würde, wenn dein Verstand endlich aus dem Weg ginge.

Dein Nervensystem reguliert sich von selbst, wenn du es lässt [1]. Die Forschung zur Polyvagaltheorie von Stephen Porges zeigt uns, dass unser autonomes Nervensystem über ausgeklügelte Selbstregulierungsmechanismen verfügt [2]. Das Problem ist nur: Wir geben ihm nie die Chance dazu, weil wir ständig beschäftigt sind, zu optimieren, zu visualisieren, zu manifestieren.

Ein wichtiger Reframe, den ich in meiner Arbeit oft erlebe: Viele meiner Klientinnen und Klienten kommen zu mir mit der Erwartung, dass ich ihnen „die eine Technik“ gebe, die alles verändert. Sie suchen nach dem magischen Werkzeug, dem perfekten Ritual, der ultimativen Methode.

Aber genau diese Suche ist das Problem. Die Lösung liegt nicht in noch mehr Tools, noch mehr Strategien, noch mehr Techniken. Die Lösung liegt darin, dem System die Erlaubnis zu geben, das zu tun, was es ohnehin tun würde, wenn dein Verstand endlich aus dem Weg ginge.

Es ist wie mit einem Garten: Du kannst nicht an den Pflanzen ziehen, damit sie schneller wachsen. Du kannst ihnen nur den richtigen Boden, Wasser und Licht geben und dann Raum lassen. Genauso wenig kannst du deine innere Entwicklung erzwingen. Die Arbeit, die wirkliche Arbeit, passiert in der Stille, in der Selbstbegegnung, im Raum-Geben.

Praktische Umsetzung 

Fünf Minuten. Sessel / Sofa. Augen zu. Nicht meditieren. Einfach… sein.

Beobachten, wie Gedanken kommen und gehen. Wie Wolken am Himmel. Du musst nichts mit ihnen machen. Nicht analysieren, nicht bewerten, nicht festhalten. Einfach nur beobachten.

WAHRHEIT 2: Durch Geschichten hindurchblicken und warum Glaubenssätze nur Gedanken sind

Durchblick durch eine Linse. Human Rockstars Vision Board durch Geschichten durchblicken.

Limiting Beliefs sind Gedanken, die du lange ernst genommen hast. Das ist der entscheidende Unterschied: Du hast einen Gedanken, aber du bist nicht der Gedanke.

Die Story-Falle

  • „Ich bin nicht gut genug.“
  • „Ich bin zu alt.“
  • „Ich habe keine Disziplin.“

Das sind Geschichten. Nicht Wahrheiten.

Der Moment, in dem du aufhörst, dich mit dem Gedanken zu identifizieren, verliert er seine Macht. Es ist wie mit einem Film: Solange du denkst, du bist die Hauptfigur, bist du gefangen in der Handlung. Sobald du erkennst, dass du der Zuschauer bist, kannst du jederzeit aufstehen und gehen [4].

Aus der Story heraustreten

Ich helfe meinen Klientinnen und Klienten, aus ihren eigenen Stories herauszutreten.

Nicht durch Affirmationen. Und schon gar nicht durch „positives Denken“. 

Sondern indem wir durch die Gedanken hindurchblicken und den Körper einladen zu fühlen.

Eine Klientin kam zu mir mit der „Geschichte“:

  • „Ich bin nicht kreativ genug, um mein Business aufzubauen.“

Wir haben uns nicht die Frage gestellt, ob das stimmt oder nicht. Wir haben uns gefragt:

  • Wo sitzt dieser Gedanke im Körper?
  • Was passiert, wenn du ihn aussprichst?

Sie spürte eine Enge in der Brust, ein Zusammenziehen im Solarplexus. Als wir dort blieben, mit dieser Empfindung, und sie einfach da sein ließen, tauchte eine alte Erinnerung auf, die sie bis heute beeinflusst hat.

Ihre Geschichte „Ich bin nicht kreativ genug“ war nicht ihre Wahrheit, sondern ein Gefühl, was sich über Jahre manifestiert hat.

Somatische Praxis

Wenn der Gedanke „Ich bin nicht gut genug“ auftaucht:

  • Nicht analysieren.
  • Nicht bekämpfen.
  • Nicht wegdrücken.

Fühlen. Wahrnehmen.

  • Wo sitzt das im Körper?
  • Brust?
  • Bauch?
  • Kehle?
  • etc.

Mit der Emotion sitzen. Sie darf da sein. Sie ist keine Bedrohung.

Die Forschung zur körperbasierten Traumatherapie, insbesondere durch Peter Levine und Bessel van der Kolk, zeigt uns, dass traumatische Erfahrungen und belastende Überzeugungen sich im Körper einschreiben [5]. Wenn wir diese Empfindungen wieder bewusst fühlen und ihnen Raum geben, können sie sich lösen. Nicht durch kognitives Umdeuten, sondern durch somatisches Erleben.

Keine Neuprogrammierung nötig

Du musst dein Unterbewusstsein nicht „cleanen“. Du musst keine neuen Affirmationen einprogrammieren. Gedanken sind wie Wolken, sie ziehen vorbei, wenn du aufhörst, sie festzuhalten.

Das Problem ist nicht der Gedanke. Das Problem ist die Identifikation mit dem Gedanken und der Überzeugung, dass sie „wahr“ sind.

WAHRHEIT 3: Leichtigkeit als Kompass – Wenn dein Körper flüstert, hör zu

Human Rockstars Kompass der Emotionen

Dein Körper ist wie ein hochsensibles Radio, bereits eingestellt auf die richtige Frequenz. Aber dein Verstand dreht pausenlos an den Knöpfen: Sorgen, Pläne, „Ich sollte…“.

Der mentale Lärm übertönt die subtilen Signale.

Die Radio-Metapher

Stell dir vor, dein Körper wäre ein Radio. Die richtige Frequenz ist bereits da, die Musik spielt, die Informationen sind vorhanden. Aber dein Verstand dreht ständig am Senderrad. „Vielleicht sollte ich doch lieber…“ „Was, wenn ich…?“ „Ich muss noch…“

Diese mentalen Störgeräusche überlagern die klare Botschaft deines Körpers.

Subtile Körpersignale wahrnehmen

Das leichte Unbehagen, wenn du Ja sagst, aber Nein meinst.

Die Weite in der Brust, wenn ein Weg sich richtig anfühlt.

Die Schwere, die sagt: „Das hier kostet mehr Energie, als es zurückgibt.“

Ein Klient erzählte mir, dass er seit Jahren in einem Job arbeitete, der ihm „eigentlich gut“ gefiel. Gutes Gehalt, nette Kollegen, Sicherheit. Aber jeden Sonntagabend hatte er Bauchschmerzen. Sein Verstand sagte: „Sei dankbar, andere hätten gerne deinen Job.“ Sein Körper sagte: „Das ist nicht deins.“

Wir arbeiten oft gegen unseren Körper, weil wir gelernt haben, dass der Verstand wichtiger ist [6]. Aber der Körper lügt nicht. Er zeigt uns, was stimmig ist und was nicht, lange bevor der Verstand es versteht.

Leichtigkeit ≠ Faulheit

Leichtigkeit bedeutet nicht „easy“ oder „ohne Anstrengung„. 

Es bedeutet: Flow. Ausrichtung. Weniger Widerstand.

Wenn du ständig gegen Türen rennst, frag deinen Körper: Ist das die richtige Tür?

Die Forschung zur Flow-Theorie von Mihály Csíkszentmihályi zeigt, dass Menschen in einem Zustand optimaler Leistung sind, wenn sie Tätigkeiten ausführen, die ihren Fähigkeiten entsprechen und sie gleichzeitig herausfordern, ohne zu überfordern [7]. 

Dieser Zustand ist gekennzeichnet durch ein Gefühl von Leichtigkeit, nicht durch Kampf.

Praktische Übung

Vor jeder Entscheidung: Eine Hand auf den Bauch, eine Hand aufs Herz.

Frage: „Wie fühlt sich das hier an?“ 

Nicht: „Was denke ich darüber?“

Warte auf die Antwort. Sie kommt als Empfindung, nicht als Gedanke.

Manchmal ist es ein Kribbeln, manchmal Wärme, manchmal Enge. Manchmal auch Verwirrung. Auch das ist eine Antwort: „Noch nicht. Ich brauche mehr Zeit.“

WAHRHEIT 4: Loslassen statt Festhalten – Oder: Empfangen ist kein esoterisches Konzept

Human Rockstars Vision Board Loslassen

Anhaftung ist nicht Liebe. Nicht Verlangen. Es ist Angst in Verkleidung.

Der Satz „Wenn ich das nicht bekomme, fällt alles auseinander.“ ist keine Ambition, es ist ganz einfach Angst.

Attachment als verkappte Angst

Wir halten fest, weil wir glauben, dass wir Kontrolle brauchen, um sicher zu sein. Wir klammern uns an Ziele, an Beziehungen, an Vorstellungen, wie unser Leben aussehen sollte. Aber dieses Festhalten ist anstrengend. Es kostet Energie. Es macht starr.

Ein Vision Board ist oft nichts anderes als ein Versuch, das Leben zu kontrollieren. „Wenn ich nur visualisiere, was ich will, dann muss es so kommen.“ Aber was, wenn das, was du visualisierst, gar nicht das ist, was du wirklich brauchst?

Empfangen statt Festhalten 

Lass mich das neurobiologisch erklären:

Dein präfrontaler Kortex, dein Kontrollzentrum, verbraucht enorm viel Energie beim Festhalten. Wenn du krampfhaft versuchst, ein bestimmtes Ergebnis zu erzwingen, aktivierst du Stress-Netzwerke im Gehirn. Das führt zu Tunnelblick, Rigidität und eingeschränkter Wahrnehmung [8].

Empfangen bedeutet, dass du dein Default Mode Network regulieren lässt. Das ist das Netzwerk im Gehirn, das aktiv wird, wenn du nicht aktiv denkst, sondern einfach bist. Es ist energetisch effizienter und ermöglicht emergente Lösungen. Lösungen, die nicht aus dem Verstand kommen, sondern aus einem tieferen Wissen [9].

Systemisch gesehen: In der systemischen Begleitung sprechen wir von Lösungsfokussierung statt Problemfixierung. Wenn du am Problem festhältst („Ich MUSS das lösen“), bist du gefangen. Wenn du dich öffnest („Was will sich hier zeigen?“), entstehen Lösungen aus dem System selbst [10].

Körperbasiert: Festhalten bedeutet Muskelanspannung, flache Atmung, Kampf-oder-Flucht-Modus. Empfangen bedeutet Entspannung, tiefe Atmung, parasympathische Aktivierung. Dein Körper kann nicht gleichzeitig verkrampft sein UND neue Informationen integrieren [11].

Buddhistische Perspektive 

Buddha sagte: Leiden entsteht durch das Verlangen, dass Dinge gleich bleiben. Leben ist konstante Bewegung. Fluss. Currency bedeutet ursprünglich „das, was fließt“. Geld. Energie. Leben [12].

Nicht-Anhaften trainieren: Keine Interpretation aufzwingen, einfach geschehen lassen.

Auch dieser Artikel ist wieder ein Konzept, dabei soll es um weniger gehen… Siehst du das Paradox?

Gut. Das ist der Anfang.

Vertrauen vs. Kontrolle

Anhaftung sagt: „Es muss SO sein.“

Vertrauen sagt: „Überrasch mich.“

Eine Klientin hatte ein klares Vision Board: Sie wollte eine Vorstandsposition in ihrem Unternehmen. Sie hatte sich jahrelang darauf fokussiert, alles dafür getan. Aber je näher sie dem Ziel kam, desto unwohler fühlte sie sich. Als sie lernte loszulassen, zu fühlen, was sie wirklich wollte, stellte sie fest: Sie wollte gar nicht in den Vorstand. Sie wollte frei sein. Sie gründete ihr eigenes Unternehmen und ist heute glücklicher denn je.

Das Vision Board hatte sie in eine Richtung getrieben, die nie ihre war. Das Ziel viel zu eng gefasst und der Widerstand war auf allen Ebenen spürbar.

WAHRHEIT 5: Veränderung geschieht, wenn du aufhörst zu versuchen

Veränderung passiert Human Rockstars

Veränderung ist in dich eingebaut wie die Schwerkraft in den Fluss. Er fließt nicht, weil er sich anstrengt. Er fließt, weil es seine Natur ist.

Der Fluss-Vergleich

Ein Fluss kämpft nicht gegen Steine. Er fließt um sie herum oder über sie hinweg. Mit der Zeit verändert er sogar die Landschaft. Nicht durch Anstrengung, sondern durch sein natürliches Sein.

Du bist genauso. Veränderung ist deine Natur. Du musst sie nicht erzwingen. Du musst nur aufhören, ihr im Weg zu stehen.

Widerstand entsteht im Kopf

Der Glaube, „Ich muss etwas Besonderes tun, damit sich etwas ändert“, das IST der Widerstand.

„Wenn ich nur härter arbeite, disziplinierter bin, früher aufstehe…“

Bullshit. Das ist Aktivismus, kein Wachstum.

Ich sehe das immer wieder: Menschen, die sich selbst fertigmachen, weil sie nicht genug tun. Sie glauben, sie müssten sich selbst optimieren, kontrollieren, disziplinieren. Aber je härter sie es versuchen, desto festgefahrener werden sie. Und ich spreche hier aus eigener Erfahrung. Auch ich habe über Jahre versucht Dinge im Außen zu kontrollieren. Bis es geknallt hat und ich mir meine eigenen Schuhe nicht mehr binden konnte.

Die Antworten sind in der Stille

Nicht in mehr Gedanken. Nicht in mehr Strategien.

Einsichten kommen, wenn du aufhörst zu graben.

Der Verstand ruht, das System reorganisiert sich, neue Perspektive taucht auf.

Die Forschung zur Neuroplastizität zeigt, dass das Gehirn sich am besten reorganisiert, wenn es in Ruhe ist, nicht wenn es unter Stress steht [13]. Kreative Einsichten entstehen im entspannten Zustand, im sogenannten Alpha-Zustand, nicht im Beta-Zustand des fokussierten Arbeitens [14].

Subconscious Reset 

Dein Nervensystem weiß, wie es sich reguliert. Dein Körper weiß, wie er heilt. Das ist keine Technik, das ist biologisches Grundprogramm.

Du musst nichts installieren. Nur Raum schaffen.

Der korrigierte Schlüsselsatz

Festsitzen ist keine äußere Blockade. Es ist die innere Anspannung des Festhaltens.

Je härter du versuchst, etwas zu erzwingen, desto mehr Widerstand erzeugst du. Das Problem ist nicht „da draußen“, es ist dein krampfhaftes Festhalten an Kontrolle.

Ein Klient sagte mir einmal: „Ich bin seit Monaten festgefahren. Nichts bewegt sich.“ Ich fragte ihn: „Was wird für dich möglich, wenn du das Festfahren akzeptierst?“ Er musste lange nachdenken. Dann sagte er: „Dann kann ich anfangen Dinge zu verändern.“

Als er das losließ, begann sich alles zu bewegen. Nicht, weil er plötzlich mehr tat. Sondern weil er aufhörte, gegen sich selbst zu kämpfen.

Praktische Umsetzung: Die RAIN-Methode

Genug Konzepte. Lass uns praktisch werden. Hier eine Methode, die so simpel ist, dass du sie wahrscheinlich erstmal unterschätzen wirst.

RAIN ist eine Achtsamkeitsmethode, die ursprünglich aus der buddhistischen Psychologie stammt und von der Psychologin Tara Brach für den westlichen Kontext adaptiert wurde [15]. Sie hilft dir, mit schwierigen Emotionen und Gedanken bewusst umzugehen.

R – Recognize (Erkennen)

  • Was ist gerade da?
  • Welcher Gedanke?
  • Welche Emotion?
  • Welche Körperempfindung?

Nicht analysieren. Nur benennen: „Ah, da ist Angst. Da ist der Gedanke ‚Ich schaffe das nicht‘.“

A – Allow (Zulassen)

Lass es da sein. Kämpfe nicht dagegen. Drück es nicht weg.

„Du darfst hier sein, Angst. Ich mache dir Platz.“

Das klingt vielleicht seltsam, aber genau das ist der Punkt. Wir haben gelernt, unangenehme Gefühle wegzudrücken. Aber sie verschwinden nicht, sie werden nur lauter. Wenn du ihnen Raum gibst, können sie sich zeigen und dann gehen.

I – Investigate (Erforschen)

  • Wo sitzt das im Körper?
  • Wie fühlt es sich an?
  • Eng?
  • Heiß?
  • Drückend?

Nicht im Kopf analysieren, im Körper spüren.

Eine Klientin beschrieb es so: „Es ist wie eine enge Faust in meiner Brust. Wenn ich dort bleibe und nicht weglaufe, beginnt sich die Faust langsam zu öffnen.“

N – Nurture (Nähren)

  • Was braucht dieser Teil von dir?
  • Was brauche ICH jetzt?

Manchmal nur deine Präsenz. Manchmal eine Hand auf dem Herzen.

Sei für dich da, wie du für einen Freund da wärst.

Bevor du dein Vision Board erstellst, hier meine Einladung

Die fünf Wahrheiten noch einmal im Überblick:

1. Stille statt Strategie – Dein System weiß, was es braucht, wenn du ihm Raum gibst.

2. Durch Geschichten hindurchblicken – Glaubenssätze sind Gedanken, keine Wahrheiten.

3. Leichtigkeit als Kompass – Dein Körper zeigt dir, was stimmig ist.

4. Empfangen statt Festhalten – Anhaftung ist Angst, Vertrauen ist Öffnung.

5. Veränderung geschieht im Loslassen – Je mehr du versuchst, desto mehr Widerstand erzeugst du.

Das ist nichts Neues. Buddha wusste es. Die Stoiker wussten es. Dein Körper weiß es. 

Nur dein Verstand hat es vergessen und versucht verzweifelt, durch mehr Tun zu kompensieren, was nur durch weniger Machen entsteht.

Wenn du bereit bist, diesen Weg nicht alleine zu gehen, wenn du Begleitung möchtest beim Erkunden der Stille, beim Durchschauen deiner Geschichten, beim Ankommen in deinem Körper, dann lass uns sprechen.

Mein Coaching ist nicht für Menschen, die schnelle Fixes suchen. Es ist für Menschen, die bereit sind, tiefer zu gehen. Langsamer. Echter.

Wenn du dich bereit fühlst, freue ich mich über deine Nachricht über mein Formular.

Bis dahin: #bleibaufmerksam

Frequently Asked Questions (FAQs)

Sind Vision Boards grundsätzlich schlecht?

Nein, Vision Boards sind nicht grundsätzlich schlecht. Das Problem entsteht, wenn sie zu einem Ersatz für echte Selbstbegegnung werden. Wenn du ein Vision Board als Inspiration nutzt, ohne dich daran zu klammern, kann es hilfreich sein. Aber wenn du krampfhaft versuchst, ein bestimmtes Bild deines Lebens zu manifestieren, blockierst du möglicherweise, was wirklich für dich bestimmt ist und deine Träume und Ziele bleiben ein Bild auf einer Collage.

Manifestieren basiert oft auf der Idee, dass du durch gezielte Visualisierung und positive Gedanken dein Leben kontrollieren kannst. Mein Ansatz geht in die entgegengesetzte Richtung: Weniger Kontrolle, mehr Vertrauen. Weniger Festhalten, mehr Empfangen. Es geht nicht darum, das Leben zu formen, sondern darum, in den Flow zu kommen und zu erlauben, dass sich zeigt, was wirklich für dich stimmig ist.

Nein. Prokrastination ist emotionale Vermeidung, bei der wir Aufgaben aufschieben, weil wir das damit verbundene Gefühl nicht fühlen wollen. „Nichts tun“ im Sinne von Stille ist aktives Sein. Es ist bewusstes Raum-Geben. Der Unterschied liegt in der Qualität der Präsenz. Bei Prokrastination bist du im Widerstand. Bei Stille bist du im Annehmen.

Ja, sogar besonders gut. Viele meiner Klientinnen und Klienten aus der Tech-Branche und aus Führungspositionen kommen mit klaren beruflichen Zielen zu mir. Was wir dann entdecken, ist oft überraschend: Die Ziele, die sie sich gesetzt haben, entsprechen nicht ihrem inneren Ja. Wenn wir in die Stille gehen und dem Körper zuhören, zeigt sich oft ein ganz anderer Weg, der viel mehr Flow und Erfolg bringt.

Das ist sehr individuell. Manche Menschen spüren nach der ersten Sitzung schon eine Verschiebung. Andere brauchen mehrere Wochen, um aus dem Kopf in den Körper zu kommen. Wichtig ist: Es gibt keine Timeline. Veränderung geschieht, wenn dein System bereit ist. Je mehr du versuchst, es zu beschleunigen, desto mehr Widerstand erzeugst du.

Nein. Meditation im klassischen Sinne ist nicht notwendig. Es geht nicht darum, „richtig“ zu meditieren oder den Geist leer zu machen. Es geht einfach darum, präsent zu sein mit dem, was ist. Fünf Minuten still sitzen und beobachten, was da ist. Das kann jeder.

Quellenverzeichnis

Photo by Sam Carter, Mick Haupt, Paul Skorupskas, Debabrata Hazra, Suzanne D. Williams on Unsplash 

[1] Porges, S. W. (2012). The Polyvagal Theory: Neurophysiological Foundations of Emotions, Attachment, Communication, and Self-regulation. New York: W. W. Norton & Company. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3490536/

[2] Dana, D. (2018). The Polyvagal Theory in Therapy: Engaging the Rhythm of Regulation. New York: W. W. Norton & Company. https://catalog.nlm.nih.gov/discovery/fulldisplay/alma9917307643406676/01NLM_INST:01NLM_INST

[3] Fadiman, J., & Korb, S. (2019). The Psychedelic Explorer’s Guide: Safe, Therapeutic, and Sacred Journeys. Park Street Press. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25188706/

[4] Harris, R. (2008). The Happiness Trap: How to Stop Struggling and Start Living. Boston: Trumpeter Books. https://books.google.de/books/about/The_Happiness_Trap.html?id=K9m-EI04pgcC&redir_esc=y

[5] van der Kolk, B. (2014). The Body Keeps the Score: Brain, Mind, and Body in the Healing of Trauma. New York: Viking Press.

[6] Damasio, A. (1994). Descartes‘ Error: Emotion, Reason, and the Human Brain. New York: Putnam.

[7] Csíkszentmihályi, M. (1990). Flow: The Psychology of Optimal Experience. New York: Harper & Row.

[8] Arnsten, A. F. (2009). Stress signalling pathways that impair prefrontal cortex structure and function. Nature Reviews Neuroscience, 10(6), 410-422. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19455173/

[9] Raichle, M. E. (2015). The brain’s default mode network. Annual Review of Neuroscience, 38, 433-447. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25938726/

[10] de Shazer, S., & Dolan, Y. (2007). More Than Miracles: The State of the Art of Solution-Focused Brief Therapy. New York: Routledge.

[11] Levine, P. A. (2010). In an Unspoken Voice: How the Body Releases Trauma and Restores Goodness. Berkeley: North Atlantic Books.

[12] Bodhi, B. (2011). The Noble Eightfold Path: Way to the End of Suffering. Kandy: Buddhist Publication Society.

[13] Bavelier, D., Levi, D. M., Li, R. W., Dan, Y., & Hensch, T. K. (2010). Removing brakes on adult brain plasticity: from molecular to behavioral interventions. Journal of Neuroscience, 30(45), 14964-14971. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21068299/

[14] Kounios, J., & Beeman, M. (2014). The cognitive neuroscience of insight. Annual Review of Psychology, 65, 71-93. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24405359/

[15] Brach, T. (2013). True Refuge: Finding Peace and Freedom in Your Own Awakened Heart. New York: Bantam Books.

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